4. Oktober 2007

Alternativer Nobelpreis für die Schmeisers für ihren Kampf gegen Monsanto

Erklärung der LAG Umwelt S-H:

Alternativer Nobelpreis für die Schmeisers für ihren Kampf gegen Monsanto

Kiel – Die Landesarbeitsgemeinschaft Umwelt der Partei DIE LINKE.Schleswig-Holstein gratuliert dem kanadischen Bauernehepaar Percy und Louise Schmeiser zur Verleihung des diesjährigen alternativen Nobelpreises in Stockholm und begrüßt die Entscheidung der Jury. Der Preis würdigt ihr Engagement für Biodiversität und Bauernrechte.

Die Schmeisers wurden bekannt durch ihren langjährigen und internationales Aufsehen erregenden Rechtsstreit mit dem multinationalen Agrarkonzern Monsanto wegen dessen rücksichtsloser Praxis, Lizenzgebühren von Bauern zu fordern, deren Felder mit patentierten Genen ihrer gentechnisch veränderten Pflanzen kontaminiert wurden. Percy Schmeiser baut seit über 40 Jahren in der kanadischen Provinz Saskatchewan Raps an und züchtet, vermehrt und verwendet nur sein eigenes Saatgut. Sein Nachbar baut wie die meisten Farmer der Gegend hingegen seit langer Zeit Genraps an. In einer Nacht- und Nebelaktion drangen 1997 Mitarbeiter von Monsanto auf sein Land ein und nahmen Proben. Diese wurden dann in den firmeneigenen Labors analysiert, und als man patentierte Gene fand, forderte der Konzern die Zahlung von Lizenzgebühren. Als die Schmeisers sich weigerten zu zahlen und ihr Saatgut nicht mehr zu verwenden, verklagte der Agrar- und Chemiemulti den Farmer wegen Patentverletzung auf 400.000$ Schadensersatz. Die Schmeisers schwören, noch nie gentechnisch geändertes Saatgut erworben oder gesät zu haben, die beanstandeten Gene müssen vielmehr durch Wind, Bienen, Überschwemmungen oder Lastwagen, die unbedeckt Rapssaat an ihren Feldern vorbei von den Nachbarn zu den Mühlen fahren, über Jahre in ihre Pflanzen gelangt sein. Sie hätten die patentierten Gene nicht gestohlen, Monsanto habe vielmehr ihre Felder mit dessen Genen verseucht. Das Gericht befand dennoch in erster Instanz, dass es keine Rolle spielt, wie patentiertes Saatgut auf das Feld eines Bauern gekommen ist, die Pflanzen sind und bleiben immer Eigentum des Patentinhabers Monsanto. Die Schmeisers sollten zahlen. Im Gegensatz zu hunderten von nordamerikanischen Farmern, denen es ähnlich erging, die sich dann außer gerichtlich mit dem Chemieriesen einigten, zahlten und jetzt für den Agrarmulti Genpflanzen anbauen, gaben Louise und Percy Schmeiser jedoch nicht klein bei und zogen bis vor das höchste Gericht. Dabei ging es letztlich nicht mehr nur um den Einzelfall Schmeiser. Es sollte auch ein Zeichen gegen die aggressive Durchsetzungspolitik der Gentech-Konzerne gesetzt werden und gegen die zunehmende Abhängigkeit des Landbaus von Multis wie Monsanto. Die Schmeisers unterlagen, denn dessen Patentrecht wurde aufrecht erhalten, aber sie brauchten wenigstens nichts an Monsanto zu zahlen, da ihnen keine Vorteilsnahme nachgewiesen werden konnte. Die Schmeisers haben jedoch nicht nur durch die Anwalts- und Gerichtskosten all ihre Ersparnisse verloren, Percy Schmeiser darf sein kontaminiertes Saatgut nicht weiter verwenden. Der alternative Nobelpreis ist da sicher eine gute Entschädigung für die Opfer, die diese mutige Bauernfamilie bringen musste, dem Goliath Monsanto die Stirn zu bieten.

Dieser Fall zeigt deutlich, dass die so genannte grüne Gentechnik nicht nur unwägbare Gefahren für Umwelt, Artenvielfalt und Gesundheit birgt, sondern dass durch die wachsende Macht der Gentech-Konzerne auch die Freiheit und Unabhängigkeit der Bauern gefährdet ist. Deshalb muss die Einführung gentechnisch veränderten Saatguts und Patentierung von Genen auch in Deutschland und der EU aufgehalten werden.

Landesarbeitsgemeinschaft Umwelt

in und bei der Partei DIE LINKE.SH

Angela Whyte (Sprecherin)

Gerd Förthmann (Sprecher)

Quelle: http://www.linke-sh.de/nc/politik/schleswig_holstein_news/detail/artikel/alternativer-nobelpreis-fuer-die-schmeisers-fuer-ihren-kampf-gegen-monsanto/