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von Rainer Beuthel
Daß es bei der Abfassung der Doktorarbeit des Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg nicht mit rechten Dingen zuging, ist so offensichtlich, daß der Universität Bayreuth nichts anderes übrig blieb als den Doktortitel abzuerkennen.
Aber dies war nur ein erster Schritt; als nächstes wird geprüft, ob eine bewußte Täuschung von Seiten Guttenbergs vorlag. Da er offenbar auch Dokumente des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages verwendet hatte, werfen ihm Kritiker zudem vor, die Ausarbeitung der Doktorarbeit teilweise auf Kosten des Steuerzahlers betrieben zu haben.
In einem offenen Brief haben sich Doktorandinnen und Doktoranden am 24. Februar an Bundeskanzlerin Merkels gewandt. Darin heißt es u.a.: „als Doktorandinnen und Doktoranden verfolgen wir die gegenwärtige Diskussion um die Plagiatsvorwürfe gegen den Bundesminister der Verteidigung, Herrn Karl-Theodor zu Guttenberg, mit großer Erschütterung und noch größerem Unverständnis. Wir haben den Eindruck, dass Sie mit aller Macht versuchen, einen Minister zu halten, der trotz massiver Gegenbeweise immer noch die Behauptung aufrecht erhält, er habe in seiner Doktorarbeit nicht bewusst getäuscht.“ (http://offenerbrief.posterous.com/).
So hat die Bezeichnung „Bundesverteidigungsminister“ in den letzten Tagen einen ganz neuen Sinn erhalten. Ob die Art und Weise, wie er dieses Rückzugsgefecht führt, von Erfolg gekrönt sein wird, darf bezweifelt werden. Keine Universität von einigem Renommee kann es sich erlauben, einen Fall derart dreister Täuscherei durchgehen zu lassen. Und wenn ein Abgeordneter des Deutschen Bundestages Dokumente des wissenschaftlichen Dienstes, deren Verwendung allein der Unterstützung seiner Abgeordnetentätigkeit dienen sollen, privat verwendet, gibt es erheblichen öffentlichen Aufklärungsbedarf.
Politisch ist der Fall für die CDU/CSU insofern ein Desaster, als diese Partei gerne mit dem Nimbus bürgerlicher Wohlanständigkeit hausieren geht und einen entsprechenden Wertekanon im Marschgepäck mit sich führt. Wenn nun ihre Strahlgestalt mit den besten persönlichen Umfragewerten sich als Blender erweist, hat die Partei ein Problem: die Fassade bricht zusammen und ein Teil der Wählerschaft bleibt zu Hause – wie jetzt bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg.
Da hilft es wenig, tote Bundeswehrsoldaten in Afghanistan gegen eine angeblich absurde Debatte um „Fußnoten“ ins Feld zu führen. Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Die Begründungen für den Krieg in Afghanistan sind ebenso unglaubwürdig wie das Bild des ehrlichen, wohlanständigen und wissenschaftlich bewanderten Freiherrn von und zu Guttenberg. In allen Kriegen, die um geostrategische Macht und um Wirtschaftsinteressen geführt werden, sind tote Soldaten leider nur Fußnoten. Wann setzen sie sich endlich dagegen zur Wehr und sagen nein?
Rainer Beuthel