Schleswig-Holstein liegt wieder einmal ganz hinten. Dies ist das Ergebnis einer Studie der Bertelsmannstiftung zur Frühkindlichen Bildung. So besuchen nur etwa 65% aller Dreijährigen eine Kita. Im letzten Kindergartenjahr, das beitragsfrei ist, steigt die Zahl jedoch auf 91 Prozent an. Hier wird deutlich, wie wichtig der beitragsfreie Besuch einer Kindertageseinrichtung ist. Wer alle Kinder fördern will, wer gleiche Chancen für alle Kinder fordert, der muss Bildung und Förderung kostenfrei zur Verfügung stellen, vom beitragsfreien Besuch von Kinderbetreuungseinrichtungen bis zum gebührenfreien Studium.
Besonders erschreckend: Nur 60% der Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund besuchen in Schleswig-Holstein eine Kita. Damit belegt Schleswig-Holstein den letzten Platz unter den westdeutschen Bundesländern und zeigt deutlich, dass Integrationsförderung und Chancengleichheit im Bildungsbereich nur Lippenbekenntnisse sind.
Auch in den nächsten Jahren wird sich die Situation noch weiter verschlechtern, wenn wir nicht ein deutliches Zeichen setzen. Aufgrund des „Wachstumsbeschleunigungsgesetzes“ des Bundes, das dubiose Steuererleichterungen für einige wenige durch Belastungen der Länder- und Kommunalhaushalte finanziert, wird der weitere Ausbau der Kindertageseinrichtungen ins Stoppen geraten. Die kommunalen Haushalte haben schlichtweg kein Geld mehr, um auch nur noch ihren gesetzlichen Aufgaben nachzukommen. Dabei liegt der Bedarf an Kinderbetreuung deutlich höher als erwartet. Nach einer Umfrage des Städteverbandes Schleswig-Holstein wünschen sich etwa 60% aller Mütter und Väter eine Kinderbetreuung für Kinder unter drei Jahren, gesetzlich vorgesehen ist jedoch nur eine Quote von 35% bis 2013.
Hier sind unsere Mandatsträger im Bund, im Land und in den Kommunen gefragt: Bedarfsgerechter Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen, Förderung der frühkindlichen Bildung durch langfristig beitragsfreie Kindertagesplätze, kurzfristig jedoch eine Senkung der Beitragssätze und Förderung der Integration von Kindern mit Migrationshintergrund.
Silke Mahrt