Die Bildungspolitik nimmt den größten Teil des Koalitionsvertrages zwischen FDP und CDU im Land ein. Dies passt so gar nicht zu der vor allem von der CDU im Wahlkampf postulierten „produktiven Ruhe“ im Schulsystem. Angesichts des verabschiedeten Koalitionsvertrages möchte man die Regierungsparteien gerne immer wieder an diese Worte erinnern. Denn Stillstand ist besser als die Einführung dieses, wie es im Koalitionsvertrag heißt „differenzierten Schulsystems“, das nun auf die Schülerinnen und Schüler in Schleswig-Holstein zukommt. Zusätzliche Schularten sollen (wieder) eingeführt werden und der Titel Gemeinschaftsschule wird vollends zum Etikettenschwindel.
Ganz neu, sozusagen als Krönung der gelb-schwarzen Selektionsmaschinerie, will die Regierung erst einzelne „Hochbegabtenklassen“ und später „Kompetenzzentren für Hochbegabte“ in Schleswig-Holstein einführen. So kann der Geldadel im Land auf Staatskosten seinen Nachwuchs vom Pöbel abschirmen und spart das Geld für Privatschulen. Doch auch diese sollen gefördert und mit mehr Geld aus öffentlichen Kassen ausgestattet werden.
Zurückkommen werden wohl die Realschulen als Angebotsschule, mit denen die FDP die Stimmen von besorgten Eltern, die den Kontakt ihrer Kinder mit HauptschülerInnen fürchteten, einsammelte, und durch die Hintertür steht uns sogar das Comeback der Hauptschule bevor.
Gemeinschaftsschulen können zukünftig alles sein. Sowohl streng getrennte Haupt- Real- und Gymnasialzweige unter einem Dach, als auch Schulen mit äußerer Differenzierung in Kurssystemen. Von der eigentlichen Idee einer Gemeinschaftsschule, nämlich nach skandinavischem Vorbild binnendifferenziert Kinder mit unterschiedlichen Voraussetzungen in einer Klasse lernen zu lassen, bleibt nun endgültig nichts mehr übrig. Die neue Regierung stellt sogar Oberstufen an Gemeinschaftsschulen in Frage und will diese „unter Kostengesichtspunkten“ überprüfen.
Inklusion, also die Integration von Kindern mit Behinderungen, wird von FDP und CDU unter Finanzierungsvorbehalt gestellt. Sie sollen integriert werden, wenn „dies nach den personellen und räumlichen Voraussetzungen der Schule möglich und sinnvoll ist“. Es steht zu befürchten, dass die Schwächsten in unserer Gesellschaft zukünftig - auch gegen den Willen ihrer Eltern - in „Förderzentren“ abgeschoben werden.
Ins Bild passt, dass schwarz-gelb Gymnasien finanziell besser ausstatten will und das pädagogisch völlig überflüssige und finanziell katastrophale Sitzenbleiben wieder ausweiten wird.
Damit GrunschullehrerInnen in Zukunft wissen, ob sie Kindern die Empfehlung für ein Kompetenzzentrum, ein 8-jähriges Gymnasium, ein 9-jähriges Gymnasium, eine Realschule, eine der möglichen Gemeinschaftsschulen, eine Regionalschule oder ein Förderzentrum mit auf den weiteren Lebensweg geben, sollen sie „gute Diagnosefähigkeiten im Rahmen von Aus- und Fortbildungen erreichen“.
Gelb-Schwarz könnte genauso gut auch gleich per Gesetz einführen, was ohnehin schon Realität ist; die Aufteilung der Kinder auf die verschiedenen Schulformen nach der Größe des Geldbeutels ihrer Eltern. Dies wäre zumindest transparent und ehrlich. Es wird kalt in Schleswig-Holstein!