29. Juni 2011

Helgoland wird kein Sylt 2

Am vergangenen Sonntag waren die HelgoländerInnen aufgefordert, per Bürgerentscheid über ein Projekt abzustimmen, das einen der wohl gravierendsten Eingriffe auf ihrer Insel bewirkt hätte: Eine rund tausend Meter lange Sandverbindung zwischen der Haupt- und der vorgelagerten Badeinsel „Düne“.

Das gigantische 100-Millionen-Euro-Projekt wollte mit künstlicher Sandaufschüttung die Landbrücke, welche im Jahre 1720 durch eine Sturmflut weggespült wurde, wieder aufschütten. Das hätte die Insel um 300.000 Quadratkilometer vergrößert – eine Fläche von 40 Fußballfeldern –, was dem Projekt auch den Namen „Dubai der Nordsee“ einbrachte.

Mit über 80% Abstimmungsbeteiligung legten die HelgoländerInnen massiven Einspruch gegen diese „Hochzeit“ ein. Mit einer Mehrheit  von 54,74% wurde das Projekt gestoppt, das den Charakter der Insel komplett verändert hätte.

Vor allem mit ökonomischen Argumenten wurde das Projekt umworben, so auch vom parteilosen Bürgermeister Jörg Singer: mehr Platz für Wohnraum, weitere Bettenkapazitäten für den Tourismus und einen Standort für die Offshore-Windindustrie wolle man ermöglichen. NABU und BUND warnten dagegen vor dem schweren Eingriff in die Meeresumwelt, welche die Aufschüttung bewirkt hätte. Zudem ist die Düne die „Kinderstube“ der Kegelrobben, welche durch den Eingriff gefährdet wäre.

Trotz aller Hoffnungen auf einen ökonomischen Aufschwung durch die künstliche Landgewinnung gehe das Projekt „am Problem der Insel vorbei“, so die erfahrene Kommunalpolitikerin Felicitas Weck, die im vergangenen Jahr als Bürgermeisterkandidatin der LINKEN auf Helgoland antrat. „Die Natur ist das Kapital der Insel“, das ganz sicher unter dem Sandberg begraben worden wäre. Ob der neue Charakter der Insel („Sylt 2“) den Tourismus beflügelt und ob der Sand wirklich wirtschaftliche Vorteile eingebracht hätte, bleibt jedoch fraglich. „Jetzt ist der Weg frei für eine ökologisch und sozial verträgliche Weiterentwicklung der Gemeinde Helgoland“, so Weck.