1. Juli 2011

Arbeitsmarkt in Schleswig-Holstein: Mehr Arbeitslose als Flensburg Einwohner hat

97.494 Menschen waren im Mai / Juni in Schleswig-Holstein arbeitslos. Im Vormonat waren es etwa 4.700 mehr. Ein Grund zur Freude? Wohl kaum. Das sind immer noch fast 9.000 Menschen mehr als Flensburg Einwohner hat.

Zudem ist das nur ein Teil der Wahrheit. Seit langem ist die Statistik geschönt. Gerd Bosbach, Professor für Statistik an der Fachhochschule Koblenz im Deutschlandradio: "Es wird einfach wegdefiniert, dieser hohe Berg von Arbeitslosen ..." Menschen, die älter als 58 Jahre sind, 1-Euro-Jobber, Erwerbslose, die von Dritten vermittelt werden sollen, erkrankte Erwerbslose usw. gelten nicht als arbeitslos. Sie sind nach der Logik der Regierenden und ihrer Bundesagentur für Arbeit nur "unterbeschäftigt".

Tatsächlich aber gibt es noch unzählige Erwerbslose, die weder als "arbeitslos" noch als "unterbeschäftigt" statistisch ausgewiesen werden. Seit Mai werden weitere "Unterbeschäftigte" für die Statistik entdeckt.

Durch Umdefinition und Einbeziehung weiterer Paragrafen der Sozialgesetzbücher sind es Tausende mehr, die nach der 58er-Regelung bisher aus der Statistik herausfielen.

Umdefiniert wurde auch, wer wegen Erkrankung herausfiel. Waren es bisher nur diejenigen, für die die sechs-Wochen-Leistungsfortzahlung galt, sind es jetzt alle, die auf "absehbare Zeit" erkrankt sind.

Eine völlig neue Gruppe kam hinzu: "Fremdförderung". Darunter werden arbeitsmarktpolitische Maßnahmen verstanden, die nicht unter die Verantwortung der Bundesagentur fallen. Das sind vor z.B. Integrationskurse, wie sie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge durchführt oder berufsspezifische Sprachkurse des Europäischen Sozialfonds (ESF).

Um 32.225 Menschen ist die Arbeitslosenstatistik nachweisbar geschönt.