20. April 2010

Plön bleibt bunt! Für eine offene und sozial gerechte Gesellschaft

An der antifaschistischen Gegenkundgebung nahmen etwa 200 Menschen teil.

Bereits seit einiger Zeit ist zu beobachten, dass die „Deutsche Volksunion“ (DVU) versucht, sich in der rechten Szene wieder ins Gespräch zu bringen. Wurde die Partei bei der Landtagswahl 1992 in Schleswig-Holstein mit 6,3 Prozent noch drittstärkste Kraft, so zerfiel ihre Landtagsfraktion nach einem Jahr. Nach der Kundgebung auf dem Husumer Marktplatz Anfang März (siehe Link) war nun der Plöner Markt Ziel der braunen Truppe. 

Der Anmelder der Kundgebung, Hans-Gerd Wiechmann, ist Landesvorsitzender der niedersächsischen DVU. In der Vergangenheit war er Mitglied der Republikaner und kandierte 2005 für die NPD zum Bundestag. Ebenso trat er als Redner bei zahlreichen rechtsradikalen Veranstaltungen auf, so etwa 2005 bei den extrem gewaltbereiten Freien Kameradschaften. Den Aufruf zur Kundgebung unter dem Motto „Für Arbeit, Soziale Gerechtigkeit und Sicherheit“ richtete Wiechmann an alle „patriotischen, freiheitlichen und nationalen Kräfte, unabhängig ihrer Parteizugehörigkeit“. War die DVU eine Zeit lang auf Abgrenzung zu offen neonazistischen Kräften bedacht, so macht auch die Tatsache, dass wie in Husum der Neonazi-Kader, Holocaust-Leugner und verurteilte Gewalttäter Christian Worch als Redner auftrat deutlich, dass die DVU sich in der Neonaziszene neu zu positionieren sucht. 

Wie in Nordfriesland so hatte sich auch in Plön ein breites antifaschistisches Bündnis gegen die Kundgebung formiert: Unter dem Motto „Plön bleibt bunt“ fanden sich die SchülerInnenvertretung des Gymnasiums Schloss Plön, der Propst Mathias Petersen nebst dem Kirchenkreis Plön-Segeberg, die DGB-Jugend Kiel, die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten sowie andere antifaschistische Organisationen und politische Parteien zusammen. Bereits im Vorfeld hatte das Bündnis mit einem Aufruf und Verteilaktionen für die Gegenkundgebung mobilisiert und war bei den Plöner Bürgerinnen und Bürgern auf überwiegend positive Resonanz gestoßen, die meisten ortsansässigen Geschäfte legten bereitwillig Informationsmaterial aus. 

Die Gegenkundgebung des Bündnisses „Plön bleibt bunt“ begann mit einer Andacht der Pastoren Michael Schwer und Jörn Kress in der Nikolaikirche am Markt. Da die DVU im Vorfeld kurzfristig ihre Kundgebung vom Markt an das andere Ende der Plöner Fußgängerzone verlegt hatte, zogen die Anwesenden sodann zum Wentorper Platz, auf dem die DVU-Kundgebung stattfinden sollte. Insgesamt fanden sich vor dem Kundgebungsort etwa 200 Menschen ein, die mit Trillerpfeifen, Tröten und Rasseln ihren Protest gegen die Neonazis zum Ausdruck brachten. Auf der anderen Seite beteiligten sich neben Wiechmann und Worch etwa zwanzig weitere Neonazis, darunter auffallend viele Jugendliche, die dem Dresscode nach zu urteilen sogenannten autonomen Nationalisten zuzuordnen sein dürften. Von den Redebeiträgen selbst war allerdings fast nichts zu hören, da diese durch ein gellendes Protestkonzert übertönt wurden. Schließlich wurde die Kundgebung nach etwa einer Stunde aufgelöst, und die braune Truppe machte sich nach und nach von dannen.