
Liebe Genossinnen und Genossen, man hat mich gefragt, ob ich bereit wäre, für das Amt des Landesschatzmeisters zu kandidieren – nach reichlich Überlegung habe ich mich dazu entschlossen.
Es ist keine Aufgabe, bei der man sich locker profilieren kann, sondern dazu ist ernsthafte Arbeit und Überzeugung durch Fakten und Taten notwendig. Und auch keine Aufgabe, bei der man sich nur Freunde schaffen wird, weil alle erwarten, dass man es ihnen recht macht, obwohl man höchstens gerecht sein kann.
Als Schatzmeister eines Kreisverbands kann man ausgiebig Einblick in die Parteistrukturen bekommen, wenn man sich nicht nur vor Ort orientiert, sondern auch landes- und bundesweit.
Notwendig ist das Schaffen von klaren und offenen Strukturen im Finanzbereich – das Postulat nach gläsernen Taschen gilt auch für uns! Und Verständnis für innerparteiliche Notwendigkeiten und Möglichkeiten kann nur dann erzielt werden, wenn man offen miteinander umgeht und die Karten auf den Tisch legt.<//font>
Auch im Finanzbereich muss die Zusammenarbeit mit den Kreisverbänden verbessert werden, es geht um ein gerechtes Miteinander, nicht um ein Gegeneinander. Daraus ergeben sich Fragen wie etwa: gibt es Möglichkeiten des Ausgleichs zwischen „armen“ und „reichen“ Kreisverbänden, gibt es Möglichkeiten von finanzieller Autonomie von Ortsverbänden, u.v.m.
Landesverband und Landesgeschäftsstelle sind nicht Selbstzweck, sondern müssen auch die politische Arbeit vor Ort unterstützen wollen und können. Notwendig ist deshalb eine angemessene materielle, finanzielle und personelle Ausstattung im Rahmen unserer begrenzten Möglichkeiten. Hier ist landesweit einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten.
Ansonsten würde ich auch als Mitglied des Landesvorstands weiterhin unverblümt meine Meinung sagen und uns den Spiegel vorhalten: Fehler sind menschlich und nicht immer vermeidbar, auch wenn mit etwas gutem Willen vieles anders laufen könnte. Aber Fehler sollte man nicht ignorieren, sie unter den Teppich kehren, sondern muss sie analysieren und aus ihnen lernen – auch wenn es mitunter schmerzlich ist.
Was auch für die unzähligen innerparteilichen Querelen gilt. Solange diese bestehen, wird sich jeder Landesvorstand damit auseinandersetzen müssen, ohne dass diese zum dominierenden Thema werden dürfen. Mehr Gelassenheit, Besonnenheit und Souveränität ist erforderlich. Die Reduzierung auf persönliche Animositäten und Befindlichkeiten der Beteiligten als Ursache solcher Querelen ist zu einfach gedacht, der Konsens über unsere Ziele und Wege dahin ist nicht zwangsläufig vorhanden und das äußert sich entsprechend. Zielsetzung des neuen Landesvorstands muss sein, intern diesen Konsens weitgehend zu finden, um als halbwegs heterogene Gruppe handeln zu können.
Zuletzt ein paar persönliche Angaben: Vor 59 Jahren in Hamburg geboren, verheiratet und drei erwachsene Kinder. Politisch geworden bin ich vor über 40 Jahren, ich zähle mich zur kleinen Gruppe der nicht konvertierten Alt-68igern, und ich werde mich auch zukünftig weder wandeln noch anpassen: Immer noch unbequem, dafür aber ehrlich!
Claus Samtleben (Kreis Pinneberg)