6. Juli 2009

Krümmel stilllegen - Vattenfall die Lizenz entziehen

Unmittelbar nach einer zweijährigen Reparatur kam es im Atomkraftwerk Krümmel zu drei Störfällen, die innerhalb einer Woche zu zwei Notabschaltungen führten. In diesen beiden Fällen kam der Betreiber Vattenfall seiner gesetzlichen Informationspflicht gegenüber den Behörden nicht nach. Jedes für sich ist ein Skandal. Die Pannen belegen, dass die Technik in Krümmel - trotz allen Aufwandes - nicht in den Griff zu bekommen ist. Vattenfall dokumentiert mit seinem leichtfertigen Umgang, wie wenig den Energiekonzernen zu trauen ist, wie hoch sie ihre Profitinteressen und wie gering sie die Sicherheitsfragen schätzen.  

  • Unvergessen ist der 28. Juni 2007: Damals brannte ein Transformator. Vattenfall wurde vorgeworfen, die Öffentlichkeit getäuscht und den Störfall verharmlost zu haben.
  • Am 22. Juni wurde Krümmel nach zwei Jahren wieder angefahren.
  • Am 23. Juni fiel bei einem Routinecheck ein elektronisches Bauteil aus, das im Notfall die Wasserversorgung des Reaktors regeln soll. Das Ereignis der Kategorie N (Normalmeldung) wurde erst am 29. Juni bekannt, also sechs Tage später und damit gerade noch vor Ablauf der Meldefrist.
  • Am 1. Juli schaltete sich eine  Turbine ab, nachdem ein sogenannter Eigenbedarfstransformator ausgefallen war, der die riesigen Kühlwasserpumpen mit Strom versorgen soll. Nicht Vattenfall, sondern Greenpeace machte den Zwischenfall öffentlich: Stunden später, als es nichts mehr zu leugnen gab, bestätigte Vattenfall den  Störfall und behauptete, der sei auf menschliches Versagen zurückzuführen.
  • Am 4. Juli hat sich das Atomkraftwerk Krümmel in Schleswig-Holstein wegen einer Störung selbst abgeschaltet und ging vom Netz – mit spürbaren Folgen für die Umgebung. So fiel in Hamburg in einigen Einkaufszentren der Strom aus, im Westen der Stadt brach teilweise die Wasserversorgung zusammen und stundenlang funktionierte ein Großteil der Ampeln nicht. Der Störfall wurde der Aufsichtsbehörde nicht durch Vattenfall, sondern von der Polizei gemeldet.

Für die für die Atomaufsicht in Schleswig-Holstein ist Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) zuständig. In ihren Augen  wirft das Verhalten des Betreibers "Fragen hinsichtlich  seiner Qualifikation, ein Kernkraftwerk zu betreiben, auf." DIE LINKE sagt dazu: Diese Frage hat Vattenfall längst beantwortet. 

DIE LINKE fordert die sofortige Stilllegung des AKW Krümmel und den Entzug der Betriebsgenehmigung für den Betreiber Vattenfall. Die jüngsten Vorfälle sind nur ein weiterer Beleg für die Richtigkeit der Forderungen, die DIE LINKE in ihrem Bundeswahlprogramm aufstellt:

„Der rotgrüne Atomkonsens von 2000 ist Nonsens, denn die garantierten Restlaufzeiten dienen zuallererst den Profitinteressen der Atomindustrie. Der Betrieb von Atomanlagen birgt jedoch unverantwortlich hohe Risiken; eine sichere Endlagerung von Atommüll für eine Million Jahre und mehr ist nicht zu gewährleisten. Das Fiasko in den Atommülllagern Asse und Morsleben zeigt, wie fahrlässig die bisherige Praxis ist. DIE LINKE fordert darum die unverzügliche und unumkehrbare Stilllegung aller Atomanlagen sowie ein Verbot für den Export von Atomtechnik. Atommülltransporte müssen bis zu einer verlässlichen Lösung der Endlagerung ausgesetzt werden.

Wir wollen die Energiekonzerne in öffentliches Eigentum überführen und einer demokratischen Kontrolle unterstellen. Das Energiekartell muss entflochten, die Energieversorgung weitgehend rekommunalisiert, die Energiemonopole müssen schrittweise aufgelöst werden.“