Migrantenkinder haben zu geringe Chancen

Sevim Dagdelen, Bundestagsabgeordnete der Linken, hat anlässlich eines Besuches in Schleswig-Holstein die Integrationspolitik der Bundesregierung scharf kritisiert.

Sevim Dagdelen, Bundestagsabgeordnete der Linken, hat anlässlich eines Besuches in Schleswig-Holstein die Integrationspolitik der Bundesregierung scharf kritisiert. “Der Integrationsgipfel der Bundesregierung war eine reine Showveranstaltung mit nichts als unverbindlichen Zusagen”, so die in Duisburg geborene Abgeordnete, die unter anderem auch den stellvertretenden Vorsitz der Deutsch-Türkischen Parlamentariergruppe inne hat. Unter Integration verstünden die etablierten Parteien die “Unterwerfung der Minderheiten unter ihre eigenen politischen Normen”. Das aber sei viel zu kurz gedacht, zumal “Integration eines der großen Zukunftsthemen” sei, denn schon in wenigen Jahren hätte ein Fünftel der Deutschen einen Migrationshintergrund, in den Metropolen werden es häufig gar doppelt so viele sein. Deren Integration erfordere die rechtliche Gleichstellung und die Möglichkeit der sozialen Partizipation.

Vor diesem Hintergrund fordern die Linken Schleswig-Holsteins eine stärkere Unterstützung der Migrantinnen und Migranten. “Das beginnt in Kindergarten und Schule. Migrantenkinder haben viel geringere Chancen auf einen qualifizierten Bildungsabschluss und deswegen später auf dem Arbeitsmarkt oft das Nachsehen”, so die Lübeckerin Antje Jansen vom Landesvorstand der Linken.

Sie plädiert für eine wesentlich intensivere Sprachförderung durch speziell dafür ausgebildetes Fachpersonal. “Unsere Gesellschaft schneidet sich ins eigene Fleisch, stellt sie Zuwanderer immer weiter ins soziale Abseits”, sagte Jansen aus Anlass der Gründung einer Landesarbeitsgemeinschaft ihrer Partei, die sich für die Interessen von Zuwanderern einsetzen will.

Den Betroffenen müssten zudem verstärkt Angebote gemacht werden, damit sie sich in der für sie fremden Gesellschaft besser zurecht finden könnten. “Anlaufstellen für Migranten sind sehr wichtig. Wir brauchen ein flächendeckendes Angebot professioneller Beratungsstellen, in denen Migranten idealerweise von Migranten betreut werden”, meinte die Politikerin der Linken. Stattdessen habe sich das Land im vergangenen Jahr weitgehend aus der Finanzierung solcher Institutionen zurückgezogen. “Das bedeutet zunehmende Isolation statt Integration und muss umgehend rückgängig gemacht werden”, sagte Jansen. Vorbildlich ist in Augen der Linken hingegen, dass in Lübeck ein von ausländischen Mitbürgern gewählter Migrantenbeirat installiert werde. “Die brauchen wir überall im Lande und sie müssen das Recht erhalten Anträge an die Kommunalparlamente zu richten”, so Acil Cicek vom Plöner Kreisvorstand der neuen Partei. In deren Namen fordert Cicek zudem das Kommunalwahlrecht auch für ausländische Mitbürger, die nicht aus der EU stammen.