Kitas: “Das ist auch ein politischer Streik”

"Es wird höchste Zeit für Streiks der Erzieherinnen und Erzieher, da sind sich viele der Kolleginnen und Kollegen einig", sagt Antje Jansen, Leiterin eines Lübecker Kindergartens. Dieser wird von einem Elternverein getragen, den sie einst selber mitbegründet hat. Von daher kennt sie sowohl die Sicht der Arbeitgeber, wie auch die der Beschäftigten. "In Schleswig-Holstein ist die Situation besonders schlimm, wir sind bundesweit das Land mit den wenigsten Kindertagesstätten, in der Fläche gibt es teilweise nicht mal ein ausreichendes Angebot an Kindergärten", so Jansen, die auch der Bürgerschaftsfraktion der LINKEN in Lübeck vorsteht.

"Es wird höchste Zeit für Streiks der Erzieherinnen und Erzieher, da sind sich viele der Kolleginnen und Kollegen einig", sagt Antje Jansen, Leiterin eines Lübecker Kindergartens. Dieser wird von einem Elternverein getragen, den sie einst selber mitbegründet hat. Von daher kennt sie sowohl die Sicht der Arbeitgeber, wie auch die der Beschäftigten. "In Schleswig-Holstein ist die Situation besonders schlimm, wir sind bundesweit das Land mit den wenigsten Kindertagesstätten, in der Fläche gibt es teilweise nicht mal ein ausreichendes Angebot an Kindergärten", so Jansen, die auch der Bürgerschaftsfraktion der LINKEN in Lübeck vorsteht.

"Die Gruppen sind in den Kindergärten und Kitas viel zu groß, die Betreuung ist oft nicht wirklich gewährleistet. Im Schnitt gibt es 1,5 Erzieherinnen und Erzieher pro Gruppe. Fällt jemand aus, müssen Gruppen geschlossen werden, Vertretungen gibt es kaum und wenn, dann oft nur durch Ein-Euro-Jobber oder 400-Euro-Kräfte." Gleichzeitig steigen die Anforderungen an das pädagogische Personal. "Es ist ja richtig, dass wir uns sehr viel mehr um frühkindliche Bildung kümmern. Das erhöht die Chancen der Kinder auf eine gerechte Bildung. Und es ist auch richtig, dass wir verstärkt auf Mißbrauchsfälle achten. Aber das muss sich in der personellen Besetzung, der Ausbildung und natürlich auch in der Bezahlung wieder spiegeln", fordert Jansen. Ein großer Teil der Erzieherinnen und Erzieher habe nur Teilzeitstellen. "Die leisten dann oft sehr viele Überstunden, manches mal unbezahlt und haben am Monatsende Nettogehälter, die oft kaum über der Armutsgrenze liegen."

Aus Sicht der Kinder, der Eltern und des Personals seien die Zustände nicht weiter hinnehmbar, meint auch DIE LINKE. "Gebührenfreie Ganztagsbetreuung für jedes Kind ab dem ersten Lebensjahr muss flächendeckend gesetzlich garantiert werden. Die Öffnungszeiten müssen flexibel sein, damit Eltern die Kinderbetreuung und die Arbeit miteinander koordinieren können", fordert Landessprecherin Cornelia Möhring. Dafür müsse erheblich mehr Personal eingestellt werden. "Dessen deutlich höhere Bezahlung und der Schutz der Gesundheit der Beschäftigten muss gewährleistet werden."

Fast zwanzig Prozent der Vorschulkinder in Schleswig-Holstein lebten schon vor der Krise in Armut. "Wir sind und bleiben trotz Krise eines der reichsten Länder der Erde. Wenn eine reiche Gesellschaft Kinder in Armut hält, ist das ein politisch gewollter Skandal", so Möhring, die die Spitzenkandidatin der LINKEN in Schleswig-Holstein zu den Bundestagswahlen ist. "Deswegen wollen wir den bedarfsorientierten Kinderzuschlag und das Kindergeld sofort auf 200 Euro erhöhen und beide Leistungen zu einer bedarfsorientierten Kindergrundsicherung ausbauen." Natürlich seinen alle familienpolitische Leistungen für alle in Deutschland lebenden Kinder und Familien unabhängig von Staatsbürgerschaft und Aufenthaltsstatus zu gewährleisten.

Dem schließt sich auch Antje Jansen an. "Wir dürfen die Kinder nicht im Stich lassen, doch nichts anderes tun die politisch Verantwortlichen. Deswegen sind die aktuellen Streiks nur vordergründig im Rahmen einer Tarifauseinandersetzung zu sehen. Tatsächlich geht es den meisten Kolleginnen und Kollegen darum, nicht nur auf ihre persönliche Situation, sondern auf die gesammelten Mißstände in der Kinderbetreuung aufmerksam zu machen, insofern ist das auch ein politischer Streik", meint sie abschließend.