Kultus ist Ländersache! Religionsverfassung und Gewaltenteilung

Die kulturelle und religiöse Zusammensetzung der Gesellschaft der BRD hat sich in den letzten 30 Jahren auffallend verändert. Hatte sich in den 60er Jahren, als man “Arbeitskräfte rief  –  aber Menschen kamen” und sie als “Gastarbeiter” hier seßhaft wurden, kaum jemand darüber Gedanken gemacht, wie das dadurch veränderte Zusammenleben zu gestalten ist, so setzt sich das Thema durch die im Wesentlichen islamisch geprägten Flüchtlinge ganz aktuell quasi selbst auf die politische Tagesordnung von Parteien und Parlamenten. Aufmerksame Beobachter nehmen die sich ausbildenden Risse in der Gesellschaft wahr.
Zuständig für Fragen der Ordnung von Schule und Religionsgemeinschaften sind in der BRD gemäß Grundgesetz die Bundesländer. Die in den Ländern unterschiedlichen Schulgesetze, die abgeschlossenen bzw. streitigen Konkordate und Verträge mit Kirchen und Religionsgemeinschaften sind Ausdruck für den jeweiligen Stand von Regelungen und gesellschaftlicher Praxis.
Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichtes in diesen Fragen sprechen in jüngster Zeit vom “Gebot praktischer Konkordanz”: “Verfassungsrechtlich geschützte Rechtsgüter müssen in der Problemlösung einander so zugeordnet werden, damit beide zu optimaler Wirksamkeit gelangen können.” Dabei ist von Verantwortlichen zu erörtern, aber dann auch konkret zu entscheiden, wie beispielsweise die Umfänge und Grenzen der weltanschaulichen Neutralität sowie des Erziehungsauftrages (Art. 7. Abs. 1 GG) des Staates auf der einen mit der individuellen Glaubensfreiheit (Art. 4 GG) bzw. dem elterlichen Erziehungsrecht (Art. 6 Abs. 2 GG) auf der anderen Seite zum Ausgleich zu bringen sind.
Dies wollen wir zu Beginn in der aktuellen Ausprägung an Beispielen wie Hamburg untersuchen. Aber auch die dazugehörige Geschichte dieser Frage, die in Deutschland – ganz im Unterschied z.B. in Frankreich – seit dem Wormser Konkordat im Jahre 1122 große, kleine und kleinste territoriale Fürstentümer und Gewalten, aber auch Gewaltenteilung hervorgebracht hat.
In Folge der Reformationszeit hat diese Entwicklung mit dem Augsburger Religionsfrieden von 1575 und dem Westfälischen Frieden im Jahre 1648 nochmals einen erheblichen Schub bis heute hin gewonnen: Mit kühler Sachlichkeit suspendierten diese Vertragswerke jegliche religiösen Wahrheitsansprüche.
Dabei hatte Martin Luther selbst mit seiner “Wiederentdeckung des Evangeliums” das genaue Gegenteil gewollt. Neu und provokant hat er die Frage nach der Norm der Religion in die Welt gebracht: Päpstliches Lehramt oder die “Schrift”, die Bibel selbst. Zugleich wollte Luther diese Frage abschlieflend beantworten: “Assertio est modus loquendi theologicus.” “Behauptung”, das ist die einzige Form, in der ein christlicher Theologe sprechen kann. Diskutieren, das ist Zweifel, Zweifeln ist Unglaube, Unglaube ist Satan! Die selbst gestellte Frage nach der Norm der Religion war nicht mehr aus der Welt zu bringen. Die Spaltung war da. Es gab keine theologisch legitimierte Form, wie altgläubige Katholiken und Lutheraner künftig¸ über ihre Uneinigkeit miteinander sprechen konnten. All das führte ins Konfessionelle Zeitalter und den Dreifligjährigen Krieg. Erst die Ablösung religiöser Wertsetzung befreite aus diesem Dilemma und ermöglichte, nachdem der Kirche die Funktion entzogen war, auch politisch zu legitimieren, sich ausschliefllich auf das Recht zu stützen.
Was heute oft gerade von LINKEN als “Kleinstaaterei” kritisiert wird, ermöglichte damals geordnetes Leben nebeneinander und später auch miteinander.
Dies wollen wir sichten, prüfen, untersuchen. Die geschichtlichen, rechts- und religionspolitischen Entwicklungen nachzuzeichnen, hat sich der Kurs Philosophie der Erfurter Sommerschule vorgenommen.

ANMELDUNG und Informationen zur

Sommerschule 2017 in Erfurt:
Beginnt am Do, 10.8. (14 Uhr), und dauert bis Sa, 12.8.2017 (17 Uhr).
Wir tagen in der JH Hochheimer Straße, in der JH Klingenstraße¸ übernachten wir. Beide liegen nur etwa 5 Minuten Fußweg auseinander. Adresse: JH Erfurt, Hochheimer Str. 12, Klingenstrafle 4, 99094 Erfurt, Tel. 0361 5626705. Die JH ist vom Bahnhof Erfurt mit der Straflenbahn 6 bis Endstation Steigerstrafle zu erreichen. Von dort sind es noch ca. 200 m Fuflweg.  Die Kosten für Ü/F betragen voraussichtlich 37 Euro/Tag und Person.
Bettwäsche ist vorhanden, bitte Handtücher mitbringen. Mittag-/Abendessen können auf Wunsch in der JH eingenommen werden. Bitte bei der Anmeldung angeben. Auf Antrag können in begrenztem Umfang auch Reisekosten übernommen werden.
Verantwortlich und Kontakt: Karl-Helmut Lechner, eMail: Karl-Helmut.Lechner@wtnet.de