Foto eines hungrigen Mädchens vor einer Wand (Symbolfoto als Button zur Artikelübersicht

Lehrermangel statt Unterrichtsgarantie

Kurz vor Beginn des neuen Schuljahres in Schleswig-Holstein ist Lehrer*innenmangel wieder ein Thema. Besonders hart betroffen sind Berufsschulen und Grundschulen.In den kommenden Jahren wird eine steigende Schüler*innenzahl einer anstehenden Pensionierungswelle gegenüberstehen.

Die Maßnahmen der Landesregierung sind zu schwach und kommen viel zu spät. Was sich heute noch kaschieren lässt, wird in den nächsten Jahren zu einem massiven Problem.“ prognostiziert Sebastian Borkowski aus dem Landesvorstand DIE LINKE. Schleswig-Holstein. „Seit vielen Jahren weisen wir auf diese Entwicklung hin und auch Gewerkschaften und Bildungsexpert*innen schlagen Alarm. “

Die Ursachen des Lehrer*innenmangels sind vielschichtig”, sagt Kerstin Schöneich, ebenfalls Mitglied im Landesvorstand DIE LINKE. „Grundschullehrkräfte werden immer noch schlechter bezahlt als ihre Kolleg*innen an den weiterführenden Schulen. Hier wird der Eindruck erweckt, dass Grundschullehrer*innen weniger leisten würden, dabei sind gerade die pädagogischen Aufgaben in den ersten Schuljahren besonders anspruchsvoll.”
Die unterschiedliche Besoldungsstufe macht einen Unterschied von mehr als 400€ auf der monatlichen Gehaltsabrechnung aus. DIE LINKE fordert eine viel schnellere Angleichung der Gehälter. „Dass diese Angleichung bis 2026 hinausgezögert wird, ist ein Unding und führt bei den Betroffenen zurecht zu Unverständnis und Wut.“ so Schöneich.
Viele der unbesetzten Stellen werden nun mit Personen ohne 2. Staatsexamen sowie Quer- und Seiteneinsteiger*innen besetzt. Laut Bildungsministerium sind aktuell mehr als 900 Stellen mit Lehrer*innen ohne Lehramtsausbildung besetzt, nach Berechnungen der GEW entspricht dies landesweit rund 2.000 Menschen, die keine Lehramtsausbildung haben oder sich als Quer- oder Seiteneinsteiger*innen noch in der Ausbildung befinden.
Hierbei muss sich grundsätzlich etwas ändern“, fordert Sebastian Borkowski. Aktuell steht eine rein fachliche Qualifikation im Vordergrund, dennoch dürfe auch die zweite Hälfte, also die fachdidaktische und pädagogische Qualifikation nicht vernachlässigt werden: „Statt wie jetzt die pädagogische Ausbildung neben dem regulären Unterricht laufen zu lassen, fordern wir als LINKE eine mindestens einjährige Ausbildung in allgemeiner Pädagogik sowie Fachdidaktik in Vollzeit“, sagt Borkowski.

DIE LINKE Schleswig-Holstein fordert, dass den Schulen zusätzliche Stunden gewährt werden, um Quer- und Seiteneinsteiger*innen besser zu qualifizieren und zu begleiten. „Mentoringprogramme und berufsbegleitende Weiterqualifizierung gehören nicht in die Freizeit – sie bleiben wirkungslos, wenn hierzu keine zusätzliche Arbeitszeit eingeräumt wird.“ fordert Schöneich.
Auch muss es spezielle Seminare und Ausbilder für Seiteneinsteiger*innen geben: „Es ist ein Unding für den Lehrer*innenberuf zu werben, aber hierfür keine vernünftige Qualifizierung bereitzustellen. Lehrende einfach so ins kalte Wasser zu werfen führt auf beiden Seiten ganz sicher zu Frustration und Stress. Wenn schon zu spät etwas gegen Lehrer*innenmangel unternommen wird, dann bitte richtig!”, so Schöneich abschließend.