Mobilität

Aus dem Arbeitsalltag eines Kochs im Altenheim in Zeiten von Corona

Thorsten* ist Mitglied der Partei DIE LINKE und arbeitet in einem Altenheim als Koch. Vor kurzem kam es dort zu den ersten Infektionen mit dem Corona-Virus.

Wie geht es Dir persönlich gerade?

Ich finde die ganze Situation gerade etwas anstrengend.

Wann habt ihr erfahren, dass bei Euch Corona- Fälle aufgetreten sind und was passierte dann?

Vor Ostern wurde eine Mitarbeiterin aus dem Pflegebereich positiv getestet. Bisher ist der Test bei zwei Bewohner*innnen positiv ausgefallen. Allerdings auf einer Station, auf der die betroffene Mitarbeiterin nicht gearbeitet hat. Das lässt auf eine hohe Dunkelziffer schließen. Es stehen noch weitere Testergebnisse aus. Nachdem klar war, dass Corona-Fälle in der Einrichtung aufgetreten sind, mussten alle Bewohner*innen auf ihren Zimmern bleiben. Sie sind nun komplett isoliert.

Wie wirkte sich das Corona-Virus auf Deine Arbeit aus?

Bei uns in der Küche sind die Hygienemaßnahmen nun ultrahoch. Wir gehen gar nicht mehr in die Wohnbereiche und die Lieferant*innen dürfen nicht mehr in die Küche. Wir müssen nun die Lieferungen selber in die Küche bringen.

Der Arbeitsaufwand ist gestiegen. Wir müssen zwar den Essenssaal nicht mehr betreuen, weil wir nicht mehr in die Wohnbereiche dürfen und alle auf ihren Zimmern essen. Aber das Desinfizieren kostet mehr Zeit. Überstunden müssen wir zum Glück trotzdem nicht machen.

Der Sicherheitsabstand muss eingehalten werden, allerdings ist die Küche nicht sehr groß. Da ist das manchmal nicht möglich. Außerdem haben wir die Kaffeebecher jetzt mit unseren Namen beschriftet, damit niemand aus Versehen einen anderen benutzt.

Ansonsten ist das Kochen an sich, aber immer noch dieselbe Arbeit. Und wir sind ein gutes Team.

Habt ihr in der Küche mehr Krankheitsfälle zu verzeichnen?

Nein. Krankheitsfälle sind nicht gestiegen in der Küche.

Wünschst Du Dir etwas von Deinen Chef*innen?

Ja. Ich wünsche mir vom Arbeitgeber mehr Transparenz. Wir müssen alles erfragen. Selbst der Betriebsrat, dem ich angehöre, wird nicht informiert, wie die Lage genau ist. Mitarbeitende fühlen sich wie Kanonenfutter. Wir wollen sofort informiert werden, wenn ein neuer Corona-Fall auftritt.

Habt ihr ausreichend Schutzkleidung zur Verfügung?

Schutzkleidung haben wir. Also zumindest Masken. Nur nicht genug. Die sind immer noch Mangelware und wir sind von unserem Unternehmen angehalten worden sparsam mit ihnen umzugehen. Ich trage meine Maske z.B. seit zwei Tagen. Auch wenn ich sie nur auf dem Weg zum Rauchen benutze, ist das zu lang. Der Markt  hat in diesem Bereich völlig versagt.

Außerdem sind Mundschutzmasken und Desinfektionsmittel bei uns geklaut worden. Das finde ich sehr schade.

 

Wie fühlt es sich für Dich an, dass bei Euch Corona ausgebrochen ist?

Es sind bei uns vor kurzem auch Bewohner*innen wegen der Grippe und des Noro-Virus verstorben. Sterben ist bei uns auch irgendwie normal. Deshalb empfinde ich die derzeitige Situation auf der Arbeit seelisch nicht als sonderlich belastend.

Wie geht es den Bewohner*innen?

Wegen der Kontaktsperre bekomme ich nicht mit, wie es den Bewohner*innen geht.

Bist Du mit dem Handeln der Behörden zufrieden?

Nein. Bis das Gesundheitsamt gehandelt hat, hat es leider sehr lange gedauert. Alle Bewohner*innen wurden nicht zentral und sofort durch die Behörden getestet, sondern von den jeweiligen Hausärzt*innen. Das hat dazu geführt, dass es länger gedauert hat, bis alle Bewohner*innen getestet worden sind. Das kann ich nicht nachvollziehen.

Wird sich die Krise finanziell bei Dir auswirken?

Mehr Geld bekommen wir wohl nicht. In der Küche sind wir aber auch mitbetroffen, daher finde ich das schade.

Vielen Dank für das Gespräch!

*Name geändert