Integrationskurse auf Eis – schrumpfenden Chance für Teilhabe
Nach Recherchen von CORRECTIV plant die Bundesregierung deutliche Einschränkungen bei Integrationskursen. Künftig sollen demnach nur noch Geflüchtete mit „Bleibeperspektive" Kurse über das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bewilligt bekommen. Das Bundesinnenministerium bestätigte die Pläne nicht ausdrücklich, teilte jedoch mit, dass derzeit Entscheidungen des BAMF zu Integrationskursen ausgesetzt seien.
Bereits im Januar hatte ein Schreiben des BAMF an zahlreiche Träger und Einrichtungen für Verunsicherung gesorgt. Darin heißt es: „bundesweit [würden] seit Dezember keine neuen Berechtigungen für Integrationskurse mehr ausgestellt".
Demnach stehen Integrationskurse aktuell nur Menschen mit langfristiger Bleibeperspektive offen. Geflüchtete mit Duldung, im laufenden Antragsprozess oder aus sogenannten „sicheren Herkunftsländern" seien nach diesen Informationen von der Teilnahme ausgeschlossen. Sie sollen Sprachkurse entweder selbst finanzieren oder auf unbestimmte Zeit warten. Zahlreiche Träger schlagen bereits Alarm und warnen vor den Folgen.
Jana Lemke, Landessprecherin der Linken in Schleswig-Holstein, erklärt dazu:
„Sprache ist der Zugang zu unserer Welt. Ich selbst habe viele Jahre Alphabetisierungs- und Sprachkurse geleitet, um Menschen die Deutschkenntnisse näherzubringen, die sie brauchen, um an unserer Gesellschaft teilzunehmen.
Integrations- und Sprachkurse sind eine zentrale Voraussetzung für sicheres Ankommen und gesellschaftliche Teilhabe. Ohne ausreichende Sprachkenntnisse bleiben Arbeitsmarkt, Bildungssystem, Beratungsangebote und auch Gesundheitsversorgung schwer zugänglich bis unerreichbar."
Die derzeitigen Einschränkungen stünden zusätzlich im Widerspruch zu den politischen Erwartungen an Integration.
„Wir können nicht erwarten, dass Menschen sich in unsere Arbeitsmärkte und in unsere Gesellschaft integrieren und ihnen gleichzeitig den elementaren Zugang zur Teilhabe an unserem Leben verweigern!"
so Gerrit Schienke, Landessprecher der Linken in Schleswig-Holstein.
Kritisch sei weiterhin die Art und Weise der Umsetzung, sagen beide Sprecher*innen:
„Wenn Integrationsangebote Stück für Stück abgebaut werden, sollten wir uns nicht wundern, wenn am Ende Probleme benannt werden, die dann als Begründung für weitere Einschränkungen herangezogen werden. Wer Integration schwächt, legt einen Grundstein für Integrationsprobleme.
Wir fordern eine sofortige Wiederaufnahme des regulären Zugangs zu Integrationskursen sowie eine transparente politische Debatte über die Finanzierung der Integrationspolitik."
Quellen:
CORRECTIV: „Integrationskurse für Migranten voraussichtlich noch für Monate auf Eis", 6. Februar 2026: https://correctiv.org/aktuelles/integration-gesellschaft/2026/02/06/integrationskurse-fuer-migranten-voraussichtlich-noch-fuer-monate-auf-eis/ (zuletzt abgerufen am 12.02.2026)
CORRECTIV: „Bundesamt für Migration und Flüchtlinge stoppt Zulassungen für Integrationskurse", 4. Februar 2026: https://correctiv.org/aktuelles/integration-gesellschaft/2026/02/04/bundesamt-fuer-migration-und-fluechtlinge-stoppt-zulassungen-fuer-integrationskurse/ (zuletzt abgerufen am 12.02.2026)


